Blog über den Versuch eines nachhaltigen Lebens mit / trotz / und vor allem wegen Kind. 

ABOUT my Footprints



Jonathan & ich



Vor genau 10 Jahren - es war Weihnachten 2009 - nahm ich ein Buch in die Hand. “Tiere essen” hieß es und war geschrieben von meinem Liebllings-Autoren Jonathan Safran Foer. Ich las nicht mal den Klappentext, denn schliesslich waren Jonathan und ich dicke - ich hatte alle seine Bücher gelesen, alle liebte ich.


Und dann das - ich erfuhr Dinge über Tierhaltung, die Essens-Industrie und das menschliche Verhalten, die mir teils bekannt waren, mich teils überraschten und oft erschraken. 

Und einfach so, mit einem Buch, hat Jonathan das erledigt, was andere vor ihm nicht geschafft haben. Ich wurde Vegetarier, stellte meine Ernährung um und begann darauf zu achten, wo mein Essen her kam, welche Marken ich kaufte und bums hielt das auch noch durch. Sehr zum Schrecken meiner Eltern, die Fleischfresser, die bis heute nicht wissen, was sie mir denn bitte genau an Weihnachten servieren sollen. Aus Protest meiner fleischfressenden Eltern wurde ich die ersten Jahre am ersten Weihnachtstag mindestens in ein Berliner Steakhouse genötigt und jeweils am zweiten dazu verdonnert, die Reste des Weihnachtsessens, was natürlich fleischbasiert war, mit meiner Mutter zuzubereiten. Dennoch hielt ich durch. Denn irgendwie und erstaunlicherweise, ging es mir gar nicht ums Durchhalten. Ich hatte plötzlich eine Überzeugung, eine Art fleischlose Ideologie, was mich gar nicht dazu brachte, mein fleischloses Leben in Frage zu stellen.


Ich lese dieses Buch und glaube oft nicht, was ich lese.


Das war 2009. Und nun sind wir im Jahr 2019 und wieder lese ich ein Buch von Jonathan “Wir sind das Klima”. Und was soll ich sagen, Jonathans und meine Beziehung wird gerade schwer getestet, denn schon wieder ist dieser Typ dabei, meine Einstellung, meine Überzeugung zu ändern, wenn nicht gar in eine andere Richtung zu schieben. 


Ich lese dieses Buch und glaube oft nicht, was ich lese, bin überrascht über die Genauigkeit mit der mein alter Kumpel Jonathan das menschliche Verhalten im Bezug auf Verleugnen und Weggucken seziert und kann nicht anders als mich darin wiederzufinden. Ich wünschte, Jonathan und ich würden keine Buddies sein (zumindest aus meiner Wahrnehmung heraus), denn so höre ich ihm zu.


Mein Sohn ist heute vier Jahre alt, im Jahr 2030 wird er 15 sein, im Jahr 2050 ist er 35. Und es graut mir davor, wie rapide sich die Welt gerade verändert und wie sehr es sein Leben, seine Jugend einschränken wird. Ich will, dass er eine Chance hat, seine Jugend zu geniessen. Aber wie soll das gehen, wenn selbst ich so tue, als würde ich die Nachrichten nicht sehen, keine Zeitung lesen und von nichts wissen? 


Mit jeder Entscheidung, die ich heute treffe, treffe ich eine Entscheidung für unsere Zukunft


Es ist leicht, die Politik und die Regierung vorzuschieben. Es ist leicht, andere für seine eigene Passivität verantwortlich zu machen, aber es ist nicht leicht, sein eigenes Kind anzulügen. Denn mit jeder Entscheidung, die ich heute treffe, treffe ich eine Entscheidung für unsere Zukunft. 


Wo ich einkaufe, ob ich Plastik vermeide, ob ich ihm beibringe Plastik zu vermeiden, was ich esse, was wir essen, wie wir mit Essen umgehen, was wir wegschmeissen und behalten. Die Liste ist endlos und genau dort, wird es schwer. Wo anfangen, wenn einen der erste Schritt schon zu überfordern scheint? Wo aufhören, wenn der Wunsch nach einem normalen Leben ohne Einschnitte verständlich ist? 


Und hier fange ich an - mit meiner Geschichte, meinem Versuch, mit kleinen Schritten nachhaltiger zu leben, für meinen Sohn einen Fußabdruck  zu hinterlassen, der nicht aus einem Berg Müll besteht, sondern mir zumindest ermöglicht zu sagen: Ich habe es versucht.

COPYRIGHT


Mother's Footprint


@ 2020 Nicole Proemper


All Rights Reserved.

Willst du Kekse?

Hm, was bedeutet das?
Okay, danke für den Hinweis.